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Radiusstraße 11

04179 Leipzig-Lindenau

Hier, in der Radiusstraße 11, III. Etage, wohnte der Schmied Karl Warkus mit seiner Frau und den Kindern. Sohn Max Warkus, Maurer, Mitglied der Baugewerkschaft, Lindenauer Ortsvereins- vorsitzender der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ), wurde am 15.8.1931 an der Epa-Ecke in Lindenau erstochen.
An der Kreuzung Merseburger- und Lützner Straße befand sich die Epa-Ecke, benannt nach dem dort ansässigen Lebensmittelgeschäft (Einheits-Preis-AG). „Mitglieder der sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ) hatten dort mit der nötigen polizeilichen Erlaubnis Flugblätter verteilt, in denen die Politik der KPD - deren Zusammenwirken mit der NSDAP - kritisiert wurde. Schon nach kurzer Zeit wurden sie von jungen Kommunisten bedrängt, die den Ort für sich beanspruchten. "Die rote Epa-Ecke ist unser; wir werden euch wegbringen, und wenn einer liegenbleibt", rief ein Kommunist. Ein anderer erklärte: "Hier werden keine sozialdemokratischen Flugblätter verteilt" und riss den beiden SAJ-Angehörigen die Flugblätter aus der Hand.
Die Situation eskalierte schnell, und noch bevor die sozialistischen Jugendlichen das sich in der Nähe befindende Reichsbanner mittels einer Pfeife zu Hilfe rufen konnten, hatte ein junger Kommunist den Ortsvereinsvorsitzenden der SAJ, Max Warkus, mit einem Messer erstochen.

Quellen/Literatur/Weblinks:

- Leipziger Adressbücher 1919, 1920, 1921, 1930, 1931, 1935, 1943, 1947/1948
- LVZ, 17.8.1931, S. 1: "Kommunistischer Meuchelmord. Drei sozialdemokratische Flugblattverteiler in Leipzig auf offener Straße niedergestochen, einer tot."
- LVZ, 20. 8. 1931 mit Zitaten aus einer Trauerrede beim Begräbnis von Max Warkus
- LVZ, 1.10.1931: "Kameradschaft - mit dem Messer?"
- LVZ, 21.12.1931: "Einheitsfront mit Max Kramer?"
- Carsten Voigt: Kampfbünde der Arbeiterbewegung. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und der Rote Frontkämpferbund in Sachsen 1924-1933. (=Geschichte und Politik in Sachsen, Band 26) Böhlau Verlag Köln Weimar, 2009, 607 Seiten, hier: S. 388f, 403, 542. ISBN 3412204498, 9783412204495
- Joachim C. Häberlein: Kameradschaft mit dem Messer? – Zum Zerfall des linksproletarischen Milieus in Leipzig am Ende der Weimarer Republik. In: Archiv für Sozialgeschichte Band 53, Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn 2013, 619 Seiten
- Joachim Häberlen: Vertrauen und Politik im Alltag: Die Arbeiterbewegung in Leipzig und Lyon im Moment der Krise 1929–1933/38. (=Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Band 210) Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 2013, 367 Seiten, hier: Seite 65. ISBN 3647370282, 9783647370286


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