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Schaufensterausstellung Georg-Schwarz-Str. 19: „Als unser Haus noch jüdische Eigentümer*innen hatte“

Bildinhalt: Christian Repkewitz: Verblasste Spuren - Lebens- und Leidenswege jüd. Einwohner der Stadt Altenburg
Christian Repkewitz: Verblasste Spuren - Lebens- und Leidenswege jüd. Einwohner der Stadt Altenburg
 

Die Hausgemeinschaft der Georg-Schwarz-Straße 19 ist darauf gestoßen, dass in den Bauakten des Hauses ab 1932/1933 ein jüdischer Eigentümer eingetragen ist: Isaak Rotenberg aus Altenburg/Thür. Geboren wurde er am 30. Mai 1902 in Lodz/Piotrkow, damals im Königreich Polen innerhalb des Russischen Kaiserreichs. Er lebte später als Geschäftsinhaber in Altenburg (1936-1938 Isaak Rotenberg & Co. OHG: Herrenkonfektion, Altenburg, Kornmarkt 11). Isaak Rotenberg wurde durch die Nationalsozialisten verfolgt, entrechtet und enteignet, schließlich ins Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert. Dort starb er offiziell am 21. September 1940 im Krankenhaus des Ghettos an Typhus und Zuckerkrankheit. Gemäß Grundbucheintrag war er immer noch Eigentümer des Hauses Schlageterstraße 19 in Leipzig-Lindenau. Mitbeteiligt an der offenen Handelsgesellschaft Isaak Rotenberg & Co. waren auch Paula Liebermann und Bernhard Liebermann. Auch über sie ist mehr zu erfahren.
Vom 9. November bis zum 15. November 2020 wird anlässlich des Gedenkens an die Novemberpogrome 1938 eine kleine Ausstellung im Schaufenster des Lindenauer Wohnhauses zu sehen sein.
Gezeigt werden biographische Informationen zum ehemaligen Hausbesitzer sowie einige Abbildungen historischer Dokumente zu dessen Wirken in Altenburg und zur Geschichte des Hauses Georg-Schwarz-Straße 19 in Leipzig-Lindenau.
Ein Teil der Erkenntnisse wurde bereits auf der Homepage des Lindenauer Stadtteilvereins veröffentlicht. Die detaillierten Informationen und Materialien zur Biographie des ehemaligen Eigentümers sind vor allem Christian Repkewitz aus Altenburg zu verdanken, der sich ausführlich mit der Geschichte des jüdischen Lebens in Altenburg/Thür., wo Isaak Rotenberg wohnte und arbeitete, beschäftigt hat.
Mit der kleinen Schaufensterausstellung in der Georg-Schwarz-Straße 19 soll zu einer lebendigen Gedenk- und Erinnerungskultur an die nationalsozialistischen Verbrechen und deren Opfer beigetragen werden. Im kommenden Jahr soll die Ausstellung noch erweitert werden; Anregungen und Rückmeldungen sind erwünscht. Ziel ist eine Gedenktafel o. ä. am Haus, die dauerhaft an den ehemaligen jüdischen Eigentümer und dessen "Schicksal" erinnert.

Im Gedenkbuch "Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945" sind von den in Altenburg geborenen oder längere Zeit am Ort wohnhaften Mitgliedern der Familie Rotenberg verzeichnet:
Betty Rotenberg geb. Kloss (geb. 1885), Edith Rotenberg (geb. 1931), Ella Rotenberg geb. Ruchewitzky (geb. 1891), Esther Rotenberg (geb. 1927), Hinda Rotenberg geb. Perla (geb. 1897), Isaak Isidor Rotenberg (geb. 1902), Josef Rotenberg (geb. 1900), Luzie Rotenberg (geb. 1926), Ruth Rotenberg (geb. 1925), Samuel Rotenberg (geb. 1898), Sonja Rotenberg (geb. 1930).
Zur Erinnerung an einige der umgekommenen Personen wurden in den vergangenen Jahren "Stolpersteine" in Altenburg verlegt.

Quellen/Literatur/Weblinks:
- Christian Repkewitz: Verblasste Spuren - Lebens- und Leidenswege jüdischer Einwohner der Stadt Altenburg von 1869 bis 1945. Altenburg 2014, 288 Seiten, ISBN: 978-3-00-047607-5
- weitere Forschungsergebnisse von Christian Repkewitz
- Einträge, Literaturangaben und Archivalien zur Geschichte des Hauses Georg-Schwarz-Straße 19
- Geschichte des jüdischen Lebens in Altenburg/Thür.
- biographische Informationen bei Geni.com
- Einträge zu Isaak Rotenberg und seinen ermordeten Familienangehörigen im Gedenkbuch "Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"
- Altenburg (Thüringen) bei www.jüdische-gemeinden.de
- Klaus-Dieter Alicke: Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum. Gütersloh: Gütersloher Verl.-Haus 2008
> Jüdisches Leben in Lindenau Annäherung an eine jüdische Geschichte des Leipziger Stadtteils Lindenau
> Liste der Stolpersteine in Altenburg


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