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Josephstraße 47 Fedor Gross Eisenwaren

04177 Leipzig-Lindenau

Bildinhalt: Leipziger Adressbuch 1933
Leipziger Adressbuch 1933

zur Geschichte

Eisenwarenhandlung "Eisen-Gross"
seit 1904 in der Josephstraße 47 in Leipzig-Lindenau

Gegründet 1904
1904 von dem Kaufmann Fedor Gross gegründet, belieferte sie Fabriken, verkaufte aber auch Haushaltswaren wie Geldkassetten, Bügeleisen, Waagen, Fleischwölfe, Kartoffelreiben, Walzen und Spielzeug.
Kriege und Krisen
Im ersten Weltkrieg führte der Staat "Eisenscheine" ein, die man beim Kauf von Werkzeug oder Material vorlegen musste. Am Ende des zweiten Weltkrieges kamen Bleche ins Sortiment und die Firma begann, Ofenrohre zu fertigen.
Sozialismus
Fedor Gross gehörte zu den wenigen Privatfirmen in der DDR, die selbst im Werkzeugkombinat Schmalkalden einkaufen durften. Die Franks erzählen heute noch stolz, dass man auch in der Planwirtschaft bei ihnen alles bekam.
Wende
Nach der Friedlichen Revolution boomte die Bauwirtschaft und Supermärkte gab es noch nicht - also boomte auch die Eisenwarenhandlung noch einmal. Man beschäftigte sieben Angestellte und belieferte Handwerker und Baustellen in der ganzen Stadt.

www.fedorbleibt.de

Einträge aus dem Leipziger Adressbuch 1933 für das Vordergebäude:

A. Böttcher Witwe Josephstraße 47
H. Brinkmann Lagerist Josephstraße 47
A. Fuchs Former Josephstraße 47
H. Greiner Toilettenwärter Josephstraße 47
F. Groß Eisenhandlung Josephstraße 47
K. Hahn Witwe Josephstraße 47
W. Hahn Tischler Josephstraße 47
E. Halm Former Josephstraße 47
A. Kilian Rentnerin Josephstraße 47
M. Lehmann Ratsbeamter Josephstraße 47
G. Woyeckg Rentner Josephstraße 47

Gleichzeitig lebten 1933 im Hofgebäude:
A. Stephan Buchdruck. Josephstraße 47
J. Könecke Arbeiter Josephstraße 47
Hermann Schieweg Ratsbeamter Josephstraße 47
R. Müller Beamter Josephstraße 47
H. Friedrichs Straßenbahnschaffner Josephstr. 47


Einträge aus dem Leipziger Adressbuch 1949:

Martin Böttcher Bauingenieur Josephstraße 47
Paul Felux Schlosser Josephstraße 47
Kurt Friedrichs kaufmänn Angestellter Josephstr 47
Fedor Groß Eisenwaren Josephstraße 47
Martha Hahn Kassierer Josephstraße 47
Willy Paulig Pförtner Josephstraße 47
Walter Schulze Angestellter Josephstraße 47
Fritz Syrbe Technik Josephstraße 47

im Hofgebäude:
Hermann Schieweg Rentner Josephstraße 47H
Hermann Weinert Tischlerei Josephstraße 47H

Hier, im Hinterhaus der Josephstraße 47, lebte - bis zu seiner Verhaftung - bei seinen Eltern auch Wolfgang Schieweg, geb. am 1. September 1919, der zur sog. "Meute Reeperbahn" in Lindenau gehörte.
Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand schreibt zum Widerstand von Jugendlichen gegen den Nationalsozialismus:
"Wolfgang Schieweg wächst mit seinem Bruder Rudolf in einer Arbeiterfamilie in Leipzig-Lindenau auf, einem Stadtteil im Westen Leipzigs. Die Mutter Agnes und der Vater Hermann sind Sozialdemokraten. Wolfgang Schieweg ist vor 1933 Mitglied bei den Roten Falken, einer Jugendorganisation der SPD, und im Arbeitersportverein. Nach der Schule macht er eine Lehre als Schlosser und schließt sich der Meute "Reeperbahn" an. Er wird zu einem der führenden Köpfe der Meute. Seine Freunde nennen ihn "Wolfer". Der enge Kern der Meute trifft sich oft zu Hause bei der Familie Schieweg und hört dort verbotenen Jazz oder verbotene deutschsprachige Sendungen ausländischer Rundfunksender. Im Frühjahr 1939 ist Wolfgang Schieweg an einer Fahrradaktion beteiligt, bei der ein Heim der "Hitler-Jugend" durch Steinwürfe beschädigt wird und Fensterscheiben eingeschmissen werden. Anfang 1939 verteilt er zusammen mit anderen Meutenmitgliedern Streuzettel gegen die "HJ". Am 6. Juni 1939 wird Wolfgang Schieweg verhaftet und am 21. November 1939 vom Oberlandesgericht in Dresden wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu 3 Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Er kommt ins Zuchthaus Waldheim, anschließend wird er Ende Oktober 1942 in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt. Im April 1945 kann er das Buchenwald-Außenlager Schönebeck verlassen und kehrt nach Leipzig zurück."

Quellen/Literatur/Weblinks:
- Leipziger Adressbücher 1919, 1933, 1947/1948, 1949
- Sammlung Lindenauer Stadtteilverein e. V.
- Kurt Schilde: Leipziger Meuten. In: Wolfgang Benz/Walter H. Pehle (Hrsg.): Lexikon des deutschen Widerstandes. Frankfurt am Main 1994, S. 254 f.
- Alexander Lange: Meuten - Broadway-Cliquen - Junge Garde. Leipziger Jugendgruppen im Dritten Reich. Köln/Weimar 2010
- Sascha Lange: Die Leipziger Meuten. Jugendopposition im Nationalsozialismus. Leipzig 2012
- Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Bildinhalt: Leipziger Adressbuch 1947/1948
Leipziger Adressbuch 1947/1948
 

aktuell

Fedor Gross Eisenwaren

seit 114 Jahren ein breites Sortiment an Eisenwaren und gutem Werkzeug
Werkzeug in Handwerksqualität

Rund 200 Quadratmeter Fläche, Regale vom Boden bis zur Decke, historische Schraubenzählgeräte und Werkzeuge, vor allem aber: Schrauben und Nägel in allen Materialien, Formen und Größen.
Dazu Möbelbeschläge, Scharniere und Schlösser.
Auch Schlüssel können gefertigt werden.

So erreichen Sie Eisen-Gross:

Josephstraße 47 in 04177 Leipzig-Lindenau
Telefon: 0341-4805238
Fax: 0341-4774087
info@fedorgross.de

Öffnungszeiten

Mo.-Do.: 9.00 - 17.00 Uhr
Fr.: 9.00 - 16.00 Uhr

Fedor Gross Eisenwaren
Inh. Fedor Gross e.V., AG Leipzig: VR 5819,
Vorstand: Vincent Schmiedt
Umsatzsteuer-ID: DE303467697.

www.fedorgross.de

Den Artikel von Ingrid Hildebrandt: "Leidenschaft im Stadtteil. Weihnachtswunder in Leipzig-Lindenau: Anwohner retten Eisenhandlung" finden Sie hier

Ein Blog-Eintrag "Eisenwaren mit Herz: Wie ein Viertel seinen Familienbetrieb rettet" ist hier zu lesen.

Sollte hier bei Eisen-Gross ein Handwerker-Spezialwerkzeug doch mal nicht zu erhalten sein, hilft sicherlich Fa. Werkzeugfachhandel Otto Lange (12 min Fußweg) weiter.

Weitere Informationen:
fedor bleibt.pdf


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