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Häuserliste

Angerstraße 19

04177 Leipzig-Lindenau

Bildinhalt: Dr. Berthold Finkelstein, Hausbesitzer und Chemie-Fabrikant (geb. 4. Jan. 1844, gest. 26. Feb. 1931). Foto: Familienarchiv Finkelstein
Dr. Berthold Finkelstein, Hausbesitzer und Chemie-Fabrikant (geb. 4. Jan. 1844, gest. 26. Feb. 1931). Foto: Familienarchiv Finkelstein

zur Geschichte dieses Grundstückes Angerstraße 19 (Kataster-Nr. 459) [Artikel in Arbeit]

Dieses Gebäude trug mehrfach eine andere Hausnummer!
um 1880/1885: Angerstraße 5
1887: Angerstraße 8
(z. B. 1889) bis Ende 1905: Angerstraße 11
seit 1.1.1906: Angerstraße 19

Hier lebte Familie Finkelstein. Sie stammte aus Brody. Nach dem Sohn Hans Finkelstein, Chemiker (Studium in Leipzig und Straßburg) ist die Finkelstein-Reaktion benannt.

1885:
Hier wohnten der Chemiker Dr. phil. Berthold Finkelstein [Vater von Alexis und Hans Finkelstein], Hausbesitzer und Fabrikant, mit seiner Frau Pauline geb. Hirsch (geb. 2. Nov. 1846, gest. Feb. 1904) und den Kindern Alexis Finkelstein (geb. 1877) und Hans Finkelstein (geb. 1885)
und seine verwitwete Mutter Chaje Rahel Finkelstein (geb. Horowitz), damals Rentiére bis zu ihrem Tod 1886. Ihr Ehemann Osias Finkelstein (geb. 21. März 1805 in Brody) war schon am 12. September 1870 gestorben.
Auch Paulines und Bertholds Kinder Josias Max Finkelstein (geb. 1874) und Luise Brünette Finkelstein (geb. 1878) waren beide bereits 1884 gestorben.

Der Chemiker Dr. phil. Berthold Finkelstein (Promotion 1865 in Marburg) war 1873 Mitbegründer und Mitinhaber der Firma M. B. Vogel in der Angerstraße.
Erzeugnisse der Fa. M. B. Vogel (Anschrift ab 1.1.1906: Angerstraße 32): v. a. Cremor Tartari (eine beliebte Verdauungshilfe), Brechweinstein [Verwendung als Backtriebmittel in Backpulver], Tannin und andere Hilfsprodukte der Textilindustrie. [Anm: Die technische Hauptverwendung der Tannine liegt in der Ledererzeugung (Gerberei), wo sie als Gerbstoffe zur Erhöhung der Haltbarkeit und dem Schutz vor Mikroorganismen eingesetzt werden.]

Wir suchen Informationen zur Geschichte der Angerstraße 19, zu den Personen, die hier wohnten und zu den Firmen, die hier ihren Sitz hatten.
Wenn sie mehr dazu wissen, bitten wir um Hinweise und ergänzende Angaben an
E-Mail: lindenauerstadtteilverein@gmx.de
Telefon: 0341 - 480 72 07 (betr. Heimatkunde, Ortsgeschichte, Personengeschichte, Familiengeschichte)

Ein Neffe von Dr. Berthold Finkelstein und älterer Cousin von Hans Finkelstein war der Kinderarzt Heinrich Finkelstein (geboren 31. Juli 1865 in Leipzig, gestorben 7. Januar 1942 in Santiago de Chile.) Nach ihm ist die Finkelstein-Regel zur Berechnung des Flüssigkeitsbedarfs gesunder Neugeborener benannt. (Julius Pagel: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Berlin, Wien 1901, Sp. Spalte 504: "Finkelstein, Heinrich, geb. zu Leipzig 31. Juli 1865, in Berlin ausgebildet, Dr. phil. 1888, Dr. med. 1897, approbiert 1892, bis 1894 Volontär am städtischen Berliner Krankenhause Urban, 1894 Assistent an der Kinderklinik der Charité, 1899 habilitiert, publizierte eine Reihe die Erkrankungen des Säuglingsalters betreffende Aufsätze."; Manfred Stürzbecher: "Finkelstein, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 162 f. [Online-Version]; Konrad Weiß: Heinrich Finkelstein. Kinderarzt und medizinischer Lehrmeister. In: Aufbau, New York, Vol. LXI, Nr. 15 vom 21. Juli 1988, S. 17; Weiß, Konrad: Heinrich Finkelstein (1865–1942). In: Sächsische Lebensbilder. Stuttgart. 7.2015, S. 175-182 [mit e. Portr.]
Ein lesenswertes "Kalenderblatt" von Andrea Westhoff publiziert Deutschlandfunk Kultur über Heinrich Finkelstein: "Sein Leben für die Kinder gelebt" (Beitrag vom 31.07.2015): Vor 150 Jahren wurde der Kinderarzt Heinrich Finkelstein geboren. Er beschränkte sich nicht darauf, Kinderkrankheiten zu erforschen und zu behandeln: Der Mediziner setzte sich auch für eine bessere Säuglingsfürsorge und einen rechtlichen Mutterschutz ein.
"Heinrich Finkelstein war einer der größten Kinderärzte unserer Zeit", schrieb einer seiner Schüler in einem Nachruf. Allerdings fügte er dann hinzu: "Außerhalb der Fachkreise kannten nicht viele diesen bescheidenen Mann."
Dafür gibt es mehrere Gründe: Finkelstein war als Jude 1939 aus Deutschland geflohen und wurde wie so viele andere Exilanten fast vergessen. ... weiterlesen

Quellen/Literatur/Weblinks zur Geschichte dieses Grundstückes in der Angerstraße:
- Adreßbuch sämmtlicher Einwohner der Vororte von Leipzig, sowie aller übrigen Gemeinden der Amtshauptmannschaft Leipzig. Eine vollständige Zusammenstellung sämmtlicher Einwohner der 134 Gemeinden der Amtshauptmannschaft Leipzig. Verlag von Licht & Meyer, Leipzig 1880
- Adreß-Buch für Lindenau-Plagwitz und Neu-Schleußig 1885, 1887
- Adreß-Buch für Lindenau 1889
- Leipziger Adreßbuch 1900, 1902, 1905, 1906 und 1906, 1910, 1912, 1943
- Familienarchiv Finkelstein < Herzlichen Dank!
- Grabplatten auf dem Alten Israelitischen Friedhof Leipzig, Berliner Straße
> Chemische Fabrik M. B. Vogel, später VEB Spezialchemie Leipzig, 7033 Leipzig, Angerstraße 32,
- wikipedia: Tannine, Weinstein, Finkelstein-Reaktion, Finkelstein-Regel

Bildinhalt: Alte Ansicht des Wohnhauses in der Angerstraße 19. Hier lebten mehrere Generationen der Familie Finkelstein. Der Entwurf zum Haus stammte von Dr. Berthold Finkelstein selbst. Er hatte zuvor einen halben Morgen Gartenland mit prachtvollem alten Baumbestand an der Angerstraße gekauft. Gebaut hat es der Lindenauer Maurermeister Brömme (Kirchenvorstand und Baumeister der damaligen neuen Lindenauer Dorfkirche, jetzt Nathanaelkirche).  
Nachbar von Familie Finkelstein war die Familie des Buchdruckers F. A. Sander (1880/1885 war deren Hausnummer Angerstraße 4, 1899 Angerstraße 9).
Quelle: Familienarchiv Finkelstein
Alte Ansicht des Wohnhauses in der Angerstraße 19. Hier lebten mehrere Generationen der Familie Finkelstein. Der Entwurf zum Haus stammte von Dr. Berthold Finkelstein selbst. Er hatte zuvor einen halben Morgen Gartenland mit prachtvollem alten Baumbestand an der Angerstraße gekauft. Gebaut hat es der Lindenauer Maurermeister Brömme (Kirchenvorstand und Baumeister der damaligen neuen Lindenauer Dorfkirche, jetzt Nathanaelkirche). Nachbar von Familie Finkelstein war die Familie des Buchdruckers F. A. Sander (1880/1885 war deren Hausnummer Angerstraße 4, 1899 Angerstraße 9). Quelle: Familienarchiv Finkelstein
 

11. September 2001
Beim Anschlag auf das World Trade Center in New York City starb Finkelstein-Schwiegerenkel Robert Lane Cruikshank

Marianne Cruikshank, geborene Johnson (9. Apr. 1935-17. Aug. 2004), Enkeltochter von Dr. phil. Berthold Finkelsteins (4. Jan. 1844-26. Feb. 1931) Nichte Martha Jolowicz, geb. Finkelstein (geb. 14. Feb. 1881) verlor ihren Ehemann Robert Lane Cruikshank infolge des Terroranschlags auf das World Trade Center am 11. September 2001. Robert Lane Cruikshank was a vice president of Carr Futures. He worked on the 92nd floor of the north twin tower of WTC, NY. Robert Lane war der Ehemann der Enkelin Marianne der Cousine Martha Finkelstein der beiden Chemiker Dr. Alexis Finkelstein (geb. 1877) und Dr. Hans Finkelstein (geb. 1885) aus der Lindenauer Angerstraße. Der Trauer-Gottesdienst für Robert Lane Cruikshank wurde am Samstag, 22. September 2001, um 11 Uhr in der reformierten Kirche von Bronxville, Pondfield Road, New York, gefeiert. Der geliebte Ehemann von Marianne, der liebevolle Vater von Christina und Douglas und Großvater von Lindsey, wurde auch von seiner Mutter, seinem Bruder und zwei Schwestern überlebt.

- www.legacy.com/sept11
- Paid Notice: Deaths CRUIKSHANK, ROBERT LANE. In: New York Times www.nytimes.com
- 9/11 Always Remember: Robert Lane Cruikshank "“Bob”" – WTC (485) – North Tower 92nd floor (mit Foto) 911alwaysremember.wordpress.com


Chemie
Finkelstein-Reaktion

Substitution des Halogens in Alkylchloriden oder -bromiden durch Jod beim Erhitzen mit einer Lösung von Natriumjodid in Aceton.
wikipedia: Austausch eines Halogen-Substituenten eines halogenierten Kohlenwasserstoffs (z. B. Halogenalkan) durch ein Iodid bzw. ein Fluorid.

Quellen/Literatur/Weblinks zur Finkelstein-Reaktion:
- Hans Finkelstein: Darstellung organischer Jodide aus den entsprechenden Bromiden und Chloriden. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. Band 43, Nr. 2, 1910, S. 1528–1532. Hier
- Hans Finkelstein. In: Chemische Berichte, 92, 5, (XXXVII-XLVI), (2006). Hier
- Thomas Laue and Andreas Plagens, Finkelstein-Reaktion. In: Namen- und Schlagwort-Reaktionen der Organischen Chemie, 10.1007/978-3-322-94015-5_39, (119-120), (1994).
- Richard Fjellaksel, Damir Dugalic, Taye B. Demissie, Patrick J. Riss, Ole‐Kristian Hjelstuen, Rune Sundset and Jørn H. Hansen, An acylation‐Finkelstein approach to radioiodination of bioactives: The role of amide group anchimeric assistance. In: Journal of Physical Organic Chemistry, 31, 7, (2018). Abstract
- Antoine Nitelet, Kévin Jouvin and Gwilherm Evano, Development of a general copper-catalyzed vinylic Finkelstein reaction—application to the synthesis of the C1–C9 fragment of laingolide B. In: Tetrahedron. The International Journal for the Rapid Publication of Full Original Research Papers and Critical Reviews in Organic Chemistry, 10.1016/j.tet.2016.07.018, 72, 40, (5972-5987), (2016).
- Xiaodong Jin and Robert P. Davies, Copper-catalysed aromatic-Finkelstein reactions with amine-based ligand systems. In: Catal. Sci. Technol., 10.1039/C7CY00538E, 7, 10, (2110-2117), (2017).
- Alicia Casitas and Xavi Ribas, Aromatic/Vinylic Finkelstein Reaction. In: Copper‐Mediated Cross‐Coupling Reactions, (239-251), (2013). Summary
- William B Smith and Gary D Branum, The abnormal finkelstein reaction. A sequential ionic-free radical reaction mechanism. In: Tetrahedron Letters, 22, 22, (2055), (1981).]
- wikipedia: Hans Finkelstein, Finkelstein-Reaktion


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