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Häuserliste

Demmeringstraße 42 "Veronika-Ferres-Haus"

04177 Leipzig-Lindenau

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Einst

befand sich das Haus Demmeringstraße 42 (Katasternummer 310) im Eigentum des Bauherren, Architekten (B.D.A.) und Hausbesitzers Robert Rammner. Der spätere Stadtbaumeister Robert Rammner wurde am 11. Februar 1872 im Dorf Lindenau bei Leipzig geboren. Er war mit Ida Elisabeth Martha Asmus (geb. am 14. Juli 1875 in Reudnitz bei Leipzig) verheiratet.

Hier in der Demmeringstraße 42 erlebte ihr gemeinsamer Sohn Kurt Walter Rammner, der nachmalige Bearbeiter einer Neuauflage von "Brehms Tierleben", der Schöpfer des vierbändigen "Volks-Brehm", in der elterlichen Wohnung in der ersten Etage eine glückliche Kindheit. Beobachtungen der Lindenauer Pflanzen- und Tierwelt dokumentierte der damals zwölfjährige Oberrealschüler Walter Rammner in seinem erhaltengebliebenen Tagebuch aus dem Jahre 1910 in den Kapiteln "Botanische Beobachtungen" und "Zoologische Beobachtungen".
Der Biologe Dr. Walter Rammner (17.10.1897-26.12.1954), Professor der Zoologie an der Universität Leipzig, veröffentlichte in mehr als 20 Jahren ca. drei Dutzend Bücher zu Flora und Fauna, z. B. "Deutsche Waldbäume"; "Die Pflanzenwelt der deutschen Landschaft: Das Leben der Pflanzen in ihrer Umwelt"; "Die Tierwelt der deutschen Landschaft: Das Leben der Tiere in ihrer Umwelt"; "Zur Biologie und Entwicklungsgeschichte der Schildkäfer"; "Verborgenes Leben: Aus dem Entwicklungsgang der Gall- u. Mineninsekten"; "Tiere als Bestäuber der Pflanzen"; "Tierleben im Tümpel: Zoologische Beobachtungen am Ufer".

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In der "Leipziger Westend-Zeitung, früher Wochenblatt für Lindenau, Plagwitz und Umgegend" vom Sonnabend, 10. Dezember 1898, annoncierte der Bauherr Robert Rammner:
W o h n u n g e n

Lindenau, Ecke Demmering- und Waldstraße,
modern und schön eingerichtet, sowie Läden mit und ohne Wohnung (Eckladen) per 1. April 1899 zu vermieten. 400-900 Mark. Näheres durch Architekt R. Rammner daselbst.

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Um 1900 wohnten hier in der 1. Etage der frühere Lindenauer Bürgermeister Hermann Queck und sein Sohn, der Kunstmaler Walter Queck (* 15. Dezember 1871 in Annaberg; + 7. März 1906 in Meran).
Hermann Queck (* 4. Juli 1839 in Eibenstock; †+ 28. Mai 1911 in Leipzig), um 1880 Gemeindevorstand, innerhalb von Gemeinderat und Gemeindeverwaltung Lindenau Vorsitzender für Armen- und Heimatswesen und Einquartierung sowie Vorsitzender der Sparkasse Lindenau, war nach der Eingemeindung des Vorortes Lindenau als Standesbeamter beim Leipziger Standesamt VI tätig. Im Jahre 1888 wohnte er noch in der Gemeindeamtsstraße 1 und war im Lindenauer Gemeindeamt (in der Gemeindeamtsstraße 8) als Gemeindevorstand und als sächs. Königlicher Standesbeamter tätig (Eintrag im Adreß-Buch für Lindenau-Plagwitz und Neu-Schleußig 1885: Gemeindeverwaltung: Bureau: Schlossergasse 18. Queck, Hermann: Gemeindevorstand und Standesbeamter, [wohnhaft] Heinestraße 27). Der Standesbeamte a. D. Hermann Queck wohnte bis zu seinem Tod 1911 in der Demmeringstraße 42. Die Witwe Helene Qeck, geborene Rupprecht, zog in die Hebelstraße 7.
Sein Sohn Walter Queck studierte an der Königlichen Kunstakademie in Leipzig Malerei. Von dort wechselte er im Juni 1895 an die Kunstakademie nach München (Matrikelnummer 1421, Naturklasse), wo er Schüler von Karl Raupp und Simon Hollósy war. Nach Abschluss seiner Studien arbeitete W. Queck als Porträt- und Landschaftsmaler in München. Dabei stand er in engem Kontakt zu den Münchner Malerkreisen. Eine besonders enge künstlerische Freundschaft verband ihn mit Wilhelm Stumpf, Paul Horst-Schulze und Walther Caspari. Zahlreiche Studienreisen führten ihn nach Ungarn, Tirol, Norditalien und Dalmatien.
1897 ging er wieder nach Leipzig zurück. Hier entwickelte er sich in kurzer Zeit zu einem gefragten Porträtisten des Leipziger Bürgertums. Um 1901/1902 ließ er sich durch den bedeutenden Leipziger Jugendstil-Architekten Paul Möbius ein Wohnhaus mit Atelier in einer vornehmen Leutzscher Villengegend errichten (Laurentius- straße 1).
Kurz nach der Eheschließung mit Johanna Landmann erkrankte Walter Queck im Januar 1902 an Tuberkulose. Während eines Kuraufenthaltes in Südtirol starb Walter Queck im Alter von 34 Jahren am 7. März 1906 in Meran. Seine Witwe beauftragte den Architekten Paul Möbius mit dem Entwurf eines Grabmals für den Leipziger Südfriedhof. Es gilt als Meisterwerk des Jugendstils. Die Reliefs schuf Felix Pfeifer.

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Zu den Mietern im Haus Demmeringstraße 42 gehörte über mehrere Generationen hinweg die Familie Claus.
Bernhard Claus (1867-1942), Lehrer (1888 in Zwenkau, 1890 in Schönefeld, um 1900 in Leipzig an der 23. Bezirksschule und an der 4. Städtischen Fortbildungsschule), Demokrat, Politiker, Mitglied des Sächsischen Landtages, lebte hier bis zu seinem Tode während des Zweiten Weltkrieges. Zu Beginn der Naziherrschaft wurde er als Demokrat aus dem Schuldienst entlassen. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Leipzig-Lindenau in der Merseburger Straße 148 direkt neben dem Grab der befreundeten Familie Paul Küstner. Ein sogenannter "Stolperstein" des Kölner Bildhauers Gunter Demnig zur Erinnerung an Paul Küstner (1896-1945), Volkswirt, Opfer der nationalsozialistischen Diktatur, Namensgeber der Paul-Küstner-Straße, liegt vor dem ehemaligen Wohnhaus Paul-Küstner-Str. 14 ebenerdig im Gehweg.
www.stolpersteine-leipzig.de

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Hier im Haus Demmeringstraße 42 fanden über mehrere Monate hinweg Dreharbeiten für den Fernsehfilm "Die Frau vom Checkpoint Charlie" mit der deutschen Schauspielerin Veronika Ferres statt. Seitdem ist das markante Erker-Gebäude als "Veronika-Ferres-Haus" in Lindenau bekannt. Außenaufnahmen für den Film geschahen auch am Karl-Heine-Kanal in Leipzig-Lindenau zwischen Aurelienstraße und Karl-Heine-Straße. Im Film spielen diese Szenen in der DDR, der Ungarischen Volksrepublik bzw. in der Sozialistische Republik Rumänien am Ufer der Donau. Im Jahr 2008 erhielt Veronika Ferres den Deutschen Fernsehpreis als „Beste Schauspielerin“ für diesen zweiteiligen Fernsehfilm "Die Frau vom Checkpoint Charlie", dessen deutsche Erstausstrahlung am 28. September 2007 bei Arte erfolgte.

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Im Erdgeschoss des Eckhauses Demmeringstraße 42 befanden sich u. a. die Fahrradhandlung C. Berger (1900), Friseur C. Höpfner (1910), die Zigarrenhandlung M. Müller, die Schokoladenhandlung Hahne (1925) sowie vor der Renovierung des Hauses eine Tierarztpraxis, die dann ins ehemalige "Westbad" zog.

weitere Mieter (Auswahl):
1925
Rechtsanwalt Rudolf Claus, Konzertsänger Willy Dietrich, Studienrat und Organist Max Fest, Kaufmann Richard Hahnemann (gemeinsam mit Kaufmann Bernhard Hahnemann Inhaber der Fa. Gebrüder Hahnemann, Kolonialwaren und Delikatessen engros-endetail in Lindenau, Albertinerstraße 68), Oberlehrer i. R. Theodor Kolbe, Baumeister Ernst Müller (1893-1978, Robert Rammners Schwiegersohn, zeitw. Stadtbauinspektor, verheiratet mit Alma Müller, geb. Rammner, 1899-1980, Tochter: Ruth Müller, geb. 24. Jul. 1924, Nichte von Dr. Kurt Walter Rammner, geb. 17. Okt. 1897, gest. 26.12.1954), Kaufmann Gustav Schlegel, Lehrer Alfred Schurig
1949
Rechtsanwalt Werner Claus (Dr. jur., 1910-1987)

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Quellen/Literatur/Weblinks:
- Sammlung Lindenauer Stadtteilverein e. V.
- Adreßbuch sämmtlicher Einwohner der Vororte von Leipzig, sowie aller übrigen Gemeinden der Amtshauptmannschaft Leipzig. Eine vollständige Zusammenstellung sämmtlicher Einwohner der 134 Gemeinden der Amtshauptmannschaft Leipzig. Verlag von Licht & Meyer, Leipzig 1880
- Adreß-Buch für Lindenau-Plagwitz und Neu-Schleußig 1885
- 4. Beilage zu No. 147 der Leipziger Westend-Zeitung vom Sonnabend, den 10. Dezember 1898
- Leipziger Adreßbuch 1900, 1910, 1911, 1912, 1913, 1925, 1949
- www.myheritage.de/site-family-tree-358368151/rammner-bangert-
- Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte - Bildarchiv Foto Marburg
- Matrikelbuch 3 (1884-1920) der Akademie der Bildenden Künste München
- Lehrer-Adreß-Buch für Stadt und Amtshauptmannschaft Leipzig. Herausgegeben von Heinrich Haupt, Lindenau-Leipzig, Verlag von Heinrich Haupt 1888
- Lehrer-Adreß-Buch für Stadt und Amtshauptmannschaft Leipzig und angrenzende Bezirke. Herausgegeben von Heinrich Haupt, Lindenau-Leipzig, Verlag von Heinrich Haupt 1890
- Brehms Tierleben bei wikipedia
- Walter Queck bei wikipedia
- Paul Möbius bei wikipedia
- Veronica Ferres bei wikipedia

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aktuell

Am Erker sind die Initialen RR deutlich zu lesen.
Sie erinnern an Robert Rammner, den damaligen Bauherren, Architekten und Besitzer dieses Hauses in der Demmeringstraße, der früheren Lindenauer Poststraße.
(Auch an der Fassade des Kaufhauses Lützner Straße 45-47 - ehem. Fa. Hollenkamp/1908 Sächsischer Kleiderstoff-Versandhandel M. Sachse - wird auf Robert Rammner als Architekt hingewiesen.)

Ein dreiseitiger Beitrag (mit Fotos ;-) über das "Veronika-Ferres-Haus" in Leipzig-Lindenau ist enthalten in dem Leipzig-Band der deutschlandweiten "Geheimnisse"-Reihe des Bast-Verlages:
- Heike Thissen: Initialen. Eine Blondine lässt den Bauherren blass aussehen. In: Bast, Eva-Maria; Thissen, Heike: Leipziger Geheimnisse - Spannendes aus der Sachsenmetropole mit Kennern der Stadtgeschichte. Bast Medien GmbH 2018, Seiten 76-78. ISBN 9783946581581.


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