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Stolpersteine für Familie Gulkowitsch

Bildinhalt: Dr. Lazar Gulkowitsch. Quelle: Ronald Lambrecht, Politische Entlassungen in der NS-Zeit, Leipzig2006
Dr. Lazar Gulkowitsch. Quelle: Ronald Lambrecht, Politische Entlassungen in der NS-Zeit, Leipzig2006
 

Im Wohnhaus Demmeringstraße 58 in Leipzig-Lindenau lebte bis Anfang 1934 Prof. Dr. phil. Lazar Gulkowitsch mit seiner Familie. Lazar Gulkowitsch wurde am 20. Dezember 1898 in Zirin bei Nowogrudok im russischen Gouvernement Minsk geboren. Seine Eltern waren Sara Gulkowitsch, geb. Zenowski, und Joel Gulkowitsch, Zahnarzt. In Leipzig war Lazar Gulkowitsch von 1927-1932 Privatdozent, von 1932-1933 ao. Professor für die Wissenschaft vom späten Judentum an der Historisch-Philologischen Abteilung der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig. Nach seiner Entlassung 1933 von der Universität Leipzig gemäß Paragraph 3 des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" aufgrund seiner jüdischen Abstammung wurde er - auf Vermittlung des Leipziger Rabbiners Felix Goldmann - am 24. Januar 1934 an die Universität Dorpat (Tartu) berufen.
Gemeinsam mit seiner Frau Frieda Gulkowitsch, geb. Rabinowitz, (geb. am 27.1.1900 in Bobruisk, Gouvernement Minsk) Zahnärztin, und der Tochter Lea Riwka Gulkowitsch, Schülerin (geb. am 2.9.1926 in Königsberg/Ostpreußen), emigrierte er 1934 nach Estland. Von 1934-1940 war er ordentlicher Professor für Jüdische Wissenschaft an der Universität Dorpat.
Der Philologe Dr. Lazar Gulkowitsch befasste sich vor allem mit dem Chassidismus, der Kabbala, der Geschichte des späten Judentums, der hebräischen Sprache und mit den jüdischen Philosophen Maimonides und Spinoza. Er hielt 1939 Gastvorträge in Großbritannien an der Universität Cambridge sowie in den USA.
Nach der am 15. März 1939 erfolgten Annexion der "Resttschechoslowakei" bemühte sich Prof. Lazar Gulkowitsch sowohl in Großbritannien als auch in den USA um ein Visum für sich und seine Familie - jedoch vergebens. Da er keine Aufenthaltsgenehmigung erhielt, kehrte er Ende 1939 - nach dem Hitler-Stalin-Pakt - zu seiner Frau und seinen zwei Töchtern nach Estland zurück.
Vermutlich im Juli 1941 wurde die Familie Gulkowitsch bei einem Massaker an der jüdischen Bevölkerung von Dorpat/Tartu ermordet.

Die Demmeringstraße 58 war der letzte frei gewählter Wohnsitz von Prof. Lazar Gulkowitsch und seiner Familie in Deutschland. Vor dem Haus wollen wir - voraussichtlich während der "Jüdischen Woche" im Juni/Juli 2021 - sogenannte "Stolpersteine" für Familie Gulkowitsch verlegen lassen.

Privatpersonen, Vereine, Freundeskreise oder Hausgemeinschaften etc. können das für die Herstellung und Verlegung nötige Geld (120 Euro pro Stein) spenden. In die Messingtafel des Steins werden dann die Worte "Hier wohnte" und darunter Name, Jahrgang und Schicksal der betreffenden Person eingestanzt. Solcherart unauslöschlich gemacht, erinnert die Schrift dauerhaft an Verfolgte des nationalsozialistischen Regimes, die damals ihr Leben verloren.

Wenn Sie die Verlegung eines "Stolpersteines" unterstützen möchten
oder
mehr zur Geschichte dieses Wohnhauses wissen, wenden Sie sich bitte an
E-Mail: lindenauerstadtteilverein[at]gmx.de
Telefon: 0341 480 72 07 (betr. Heimatkunde, Ortsgeschichte)

Spendenkonto des Lindenauer Stadtteilverein e.V.
Leipziger Volksbank eG
IBAN: DE33 8609 5604 0307 8631 38 ( Ø: DE33860956040307863138 )
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