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Demmeringstraße 58

04177 Leipzig-Lindenau

zur Geschichte dieses Hauses:

Jüdisches Leben in Lindenau
In diesem Gebäude Demmeringstraße 58 lebte bis Anfang 1934 Dr. phil. Lazar Gulkowitsch (geboren am 20. Dezember 1898 in Zirin bei Nowogrudok, Gouvernement Minsk; 1927-1932 Privatdozent, 1932-1933 ao. Professor für die Wissenschaft vom späten Judentum an der Historisch-Philologischen Abteilung der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig) mit seiner Familie. Nach seiner Entlassung 1933 von der Universität Leipzig gemäß Paragraph 3 des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" aufgrund seiner jüdischen Abstammung wurde er - auf Vermittlung des Leipziger Rabbiners Felix Goldmann - am 24. Januar 1934 an die Universität Dorpat (Tartu) berufen.
Gemeinsam mit seiner Frau Frieda Gulkowitsch, geb. Rabinowitz, (geb. am 27.1.1900 in Bobruisk, Gouvernement Minsk) Zahnärztin, und der Tochter Lea Riwka Gulkowitsch, Schülerin (geb. am 2.9.1926 in Königsberg/Ostpreußen), emigrierte er 1934 nach Estland. Von 1934-1940 war er ordentlicher Professor für Jüdische Wissenschaft an der Universität Dorpat.
Der Philologe Dr. Lazar Gulkowitsch befasste sich vor allem mit dem Chassidismus, der Kabbala, der Geschichte des späten Judentums, der hebräischen Sprache und mit den jüdischen Philosophen Maimonides und Spinoza. Er hielt 1939 Gastvorträge in Großbritannien an der Universität Cambridge sowie in den USA.
Nach der am 15. März 1939 erfolgten Annexion der "Resttschechoslowakei" bemühte sich Prof. Lazar Gulkowitsch sowohl in Großbritannien als auch in den USA um ein Visum für sich und seine Familie - jedoch vergebens. Da er keine Aufenthalts- genehmigung erhielt, kehrte er Ende 1939 - nach dem Hitler-Stalin-Pakt - zu seiner Frau und seinen zwei Töchtern nach Estland zurück.
Vermutlich im Juli 1941 wurde die Familie Gulkowitsch bei einem Massaker an der jüdischen Bevölkerung von Dorpat/Tartu ermordet.

Quellen/Literatur/Weblinks:
u. a.
- Leipziger Adreßbücher
- Staatsarchiv Leipzig
- Universitätsarchiv Leipzig
- Siegfried Hoyer: Lazar Gulkowitsch an den Universitäten in Leipzig und Dorpat (Tartu). In: Ephraim-Carlebach-Stiftung (Hrsg.): Judaica Lipsiensia – Zur Geschichte der Juden in Leipzig. Edition Leipzig, Leipzig 1994, ISBN 3-361-00423-3, S. 123-131
- Wassermann, Henry: "Der Habilitand hat sich stets durchaus unjüdisch bescheiden gehabt...": zur Geschichte der Judaistik an der Leipziger Universität. Baalsdorf: Unimedia, 1998. 44 S. [betr. Lazar Gulkowitsch]
- Ronald Lambrecht: Politische Entlassungen in der NS-Zeit, Leipzig 2006, S.93-94.
- Gulkowitsch, Lazar. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 10: Güde-Hein. Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. Saur, München 2002, ISBN 3-598-22690-X, S. 33–35.
- Põldsam, Anu: Von Leipzig nach Dorpat: Lazar Gulkowitsch und die deutschsprachige Wissenschaft des Judentums. In: Sprache, Erkenntnis und Bedeutung -
Deutsch in der jüdischen Wissenskultur. Leipzig, 2015, S. 87-102
- Professor Gulkowitsch‘ Einführung in Dorpat. In: Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde. Leipzig.10.1934, 23, S. 3
- Yad Vashem. The World Holocaust Remembrance Center
- Professorenkatalog der Universität Leipzig
- www.lindenauerstadtteilverein.de
- de.wikipedia.org/wiki/Lazar_Gulkowitsch

Bildinhalt: Prof. Dr. phil. et med. Lazar Gulkowitsch. Bildquelle: Lambrecht, Ronald, Politische Entlassungen in der NS-Zeit, Leipzig 2006.
Prof. Dr. phil. et med. Lazar Gulkowitsch. Bildquelle: Lambrecht, Ronald, Politische Entlassungen in der NS-Zeit, Leipzig 2006.
 

Die Demmeringstraße 58 war der letzte frei gewählter Wohnsitz von Prof. Lazar Gulkowitsch und seiner Familie in Deutschland.
Vor dem Haus könnte ein sogenannter "Stolperstein" verlegt werden. Privatpersonen, Vereine, Freundeskreise oder Hausgemeinschaften etc. können das für die Herstellung und Verlegung nötige Geld (120 Euro pro Stein) spenden. In die Messingtafel des Steins werden dann die Worte "Hier wohnte" und darunter Name, Jahrgang und Schicksal der betreffenden Person eingestanzt. Solcherart unauslöschlich gemacht, erinnert die Schrift dauerhaft an Verfolgte des nationalsozialistischen Regimes, die damals ihr Leben verloren.

Wenn Sie die Verlegung eines "Stolpersteines" unterstützen möchten
oder
mehr zur Geschichte dieses Wohnhauses wissen, bitte wenden Sie sich an
E-Mail: lindenauerstadtteilverein[at]gmx.de
Telefon: 0341 480 72 07 (betr. Heimatkunde, Ortsgeschichte)
Danke!


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