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Vortrag zum St. Benno-Verlag Leipzig, dem einzigen katholischen Verlag in der DDR

- Buch von Elisabeth Preuß: Die Kanzel in der DDR: Die ungewöhnliche Geschichte des St. Benno-Verlags
Liebe Nachbarn, liebe Neugierige & Geschichtsfreunde,
die beiden gemeinnützigen Vereine Lindenauer KirchenCafé e.V. und Lindenauer Stadtteilverein e.V. laden regelmäßig - jeden Monat - zu gemeinsamen Veranstaltungen ein:
Zu interessanten Vorträgen, Stadtrundgängen und kleinen Ausflügen oder Exkursionen.
Im Februar 2026 laden wir Sie zu folgender Veranstaltungen ein (Eintritt frei!):
Donnerstag, den 19.2.2026:
Vortrag von Frau Charlotte Gottelt "Der St. Benno-Verlag Leipzig. Ein persönlicher Rückblick"
Ort: Lindenauer Kirchencafé, Karl-Heine-Straße 110
Beginn: 19:00 Uhr
Der St. Benno-Verlag wurde im April 1951 in der Karl-Heine-Straße 110 in Leipzig-Lindenau im Oratorium des heiligen Philipp Neri gegründet und hatte lange Zeit seinen Verlagssitz in 7033 Leipzig, Thüringer Straße 1-3.
Zuvor nutzte er vorübergehend frühere Büroräume der Buchdruckerei Bohn & Sohn in der Saalfelder Straße 2-4 (Mai 1951-September 1953).
Nach der Angliederung des Cordierverlages 1951 (bzw. 1974 als Außenstelle Heiligenstadt) war der St. Benno-Verlag der einzige römisch-katholische Verlag auf dem Gebiet der DDR. Hier erfolgte die Herausgabe eines katholischen Sonntagsblatts, das als "Tag des Herrn" zunächst zweiwöchentlich auf acht Seiten im DIN-A4-Format erschien. Daneben brachte der Verlag auch das "Kirchliche Amtsblatt" und in Berlin das "St. Hedwigsblatt" heraus. Die maßgeblich vom Erfurter Jugendseelsorger Karl Schollmeier und Heinrich Theissing, dem späteren Bischof und Apostolischen Administrator von Schwerin gestaltete Jugendzeitschrift "Christopherus" wurde 1953 nach nur 10 Ausgaben verboten.
Den Verlagsgründern, also den Bistümern Meißen, Görlitz, Magdeburg, Schwerin und Erfurt, schlossen sich am 3. Mai 1951 auch das Bistum Berlin und das Bischöfliche Kommissariat Meiningen an, so dass schließlich alle katholischen Jurisdiktionsbezirke in der DDR vertreten waren. Der im Jahr 1819 gegründete Verlag F. W. Cordier wurde am 8. Dezember 1951 per Staatsentscheid dem St. Benno-Verlag angeschlossen. Am 1. April 1974 wurde das in Heiligenstadt ansässige Verlagshaus auch formell eingegliedert und existierte bis 1991 nur noch als Außenstelle des St. Benno-Verlags weiter.
Der Aufbau eines umfangreichen Verlagsprogramms startete mit Hilfe westlicher Papierspenden und erreichte bis Ende der 1980er Jahr etwa 100 Neuerscheinungen pro Jahr. Drei Viertel davon waren Lizenzausgaben von Werken aus der Bundesrepublik.
Hier in Lindenau, in der Thüringer Straße 1-3, arbeitete ab 1964 Georg Dertinger, der vormalige erste Außenminister der DDR (1949-1953), 1954 wegen »Verschwörung« und »Spionage« zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, nach seiner krankheitsbedingten "Begnadigung" und Entlassung aus der Stasi-Haft (1953-1964, Berlin-Hohenschönhausen, Brandenburg-Görden, MfS-Sonderhaftanstalt Bautzen II) als Lektor/Justitiar im St. Benno-Verlag.
Von über elf Jahren Haft geschwächt, starb er am 21. Januar 1968 in Leipzig.
(Das Familiengrab befindet sich auf dem Leipziger Südfriedhof. 1991 erfolgte durch das Berliner Landgericht die Aufhebung des Urteils von 1954 wegen »Aussageerpressung und Rechtsbeugung«.)
Weitere Informationen:
> Lindenauer Häuserliste Thüringer Straße 1-3
> wikipedia de.wikipedia.org/St._Benno_Verlag
> wikipedia de.wikipedia.org/Georg_Dertinger