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Häuserliste

Roßmarktstraße 30

04177 Leipzig-Lindenau

Bildinhalt: Straßenansicht des Hauses. Die Roßmarktstraße war bis etwa 1860 der Dorfplatz von Lindenau.
Straßenansicht des Hauses. Die Roßmarktstraße war bis etwa 1860 der Dorfplatz von Lindenau.

einst


ein Wohnhaus für 12 Mietparteien im Vordergebäude, im Hof eine Werkzeugfabrik für Gewindeschneidkluppen mit ca. 80 Beschäftigten:
Fa. August Meiselbach
später > Fa. August Meiselbach Nachf.
dann > AMN - August Meiselbach Nachf. in Verwaltung des Rates der Stadt Leipzig

Präzisions-Werkzeug- und Maschinenfabrik
Leipzig-Lindenau
Schneidkluppen für Gas- und Whitworth-Gewinde
Spezialität:
Original-Meiselbach-Schneidkluppen
Original-Meiselbach-Gewindeschneidmaschinen
Wortmarke:
Original Meiselbach = Aug. Meiselbach Nachf., Leipzig

(Die Fa. Aug. Meiselbach, [damals in] Leipzig-Plagwitz stellte zur Sächs.-Thüring. Industrie- und Gewerbe-Ausstellung zu Leipzig vom 24. April bis zum 19. Oktober 1897 Waagen eigener Konstruktion vor.
Quelle:
Zeitschrift DER MECHANIKER. No. 14, 1897, S. 217)

1885 war Eigentümer dieses Grundstücks (Kataster-Nr. 650) in der Lindenauer Roßstraße 12 (jetzt Roßmarktstraße 30) der (Bauern-) Gutsbesitzer Joh. Friedrich Mühlberg, der aber selbst in der damaligen Querstraße 12 (seit 1906 Odermannstraße) wohnte.
Mieter im Haus Roßstraße 12 waren 1885 Friedrich Wilhelm Fritzsche (Fabrikarbeiter), Albert Ludwig Horn (Handarbeiter), Karl Julius Jahn (Maurer), Karl Friedrich Rothe (Milchhändler).
1887 wohnten hier in der Roßstraße 22, ehemals Nr. 12, Henriette Auguste Brand (Ausbesserin), Karl Ferdinand Götze (Handarbeiter und Produktenhändler), Friederike Wilhelmine Rothe (verwitwete Milchhändlerin), Albert Julius Thierfeld (Buchbinder, der 1889 auch als Kartonagenverfertiger arbeitete).

In dieser mehrfarbigen Karte der Vermessungs- abteilung des städtischen Tiefbauamtes im Maßstab 1:10 000 (mit Nachträgen bis Juli 1902) ist noch der alte Bauernhof als Vorgänger-Bebauung der Werkzeug- und Maschinenfabrik eingezeichnet.
Im amtlichen "Plan von Leipzig", Maßstab 1:10 000, von 1905 mit den Nachträgen bis Juni 1904 ist bereits das neue Fabrikgebäude und das an der Roßstraße gelegene neue Wohnhaus eingetragen.
Eigentümer 1907 der Roßmarktstraße 30 war der Kaufmann Ernst Felix Herchner in Leipzig-Lindenau (später Gutsbesitzer und Fabrikbesitzer in Peres bei Kieritzsch)

Nur 100 m östlich der Roßmarktstraße 30 befindet sich das Portal der Nathanaelkirche zu Leipzig-Lindenau. Dort vor der Kirche entstanden 1910 die ältesten heute noch erhaltenen Filmaufnahmen in der Stadt Leipzig. Hier sind die historischen Filmaufnahmen zu sehen - mit Filmmusik aus Charlie Chaplins Spielfilm "Moderne Zeiten". Es sind Szenen vom Herbst-Jahrmarkt (Zwiebelmarkt) in Lindenau 1910 - u. a. auf der Roßmarktstraße, Rietschelstraße, Demmeringstraße, dem Lindenauer Markt - und Aufnahmen aus der Merseburger Straße, Ecke Hebelstraße bzw. Gundorfer Straße mit Kindern, die barfuß unterwegs sind.

Einträge aus dem Leipziger Adressbuch 1933:
Rudolf Feist, Schlosser, Roßmarktstraße 30 I. Etage
Curt Handrick, Chemigraph, Roßmarktstraße 30
Karl Heinrich, Schlosser, Roßmarktstraße 30 I Etage
Paul Hoffmann, Maurerpolier, Roßmarktstraße 30 II. Etage
A. Meiselbach Nachf. Werkzeugfabrik, Roßmarktstr. 30
Louis Pohl, Schneider, Roßmarktstraße 30 II. Etage
Bertha Poley, Maurerpoliers-Witwe, Roßmarktstraße 30, Aufgang B II. Etage
Bruno Poley, Schleifer, Roßmarktstraße 30 II. Etage
Fritz Reppel, Hilfsarbeiter, Roßmarktstraße 30
Johannes Ritter, Tischler, Roßmarktstr. 30 Flügel A I.
Eduard Winkler, Invalide, Roßmarktstraße 30
I. Etage

Einträge aus dem Leipziger Adressbuch 1943 zur Roßmarktstraße 30 (Kataster 650):
Rudolf Feist, Schlosser, I. Etage
Karl Heinrich, Schlosser, I. Etage
Paul Hoffmann, Polier, 30 II. Etage
Georg Leisebein, Kraftwagenführer, I. Etage
Otto Lippmann, Reichsbahnangestellter, I. Etage
A. Meiselbach Nachf. Werkzeugfabrik, Hofgebäude
Martha Poley, Witwe, II. Etage
Arthur Thieme, städtischer Angestellter, II. Etage
Walter Wiedemann, Ingenieur, II. Etage

> 1946 Demontagearbeiten unter der sowjetischen Besatzungsmacht
> als Eigentümer des Betriebes und des Wohngrundstückes setzt Felix Herchner (+1946) als Alleinerbin seine Tochter ein: Frau Sabine von Helldorf, geb. Herchner, wohnhaft in München, Orffstraße 17
> 1948: das Grundstück mit der Werkzeugfabrik wird in Verwaltung des Rates der Stadt Leipzig genommen
> Leipziger Adressbuch 1949: Meiselbach, Aug. Meiselbach Nachf. Präzisions-Werkzeug- u. Masch.-Fabrik, Roßmarktstraße 30, Leipzig

Hier ein Auszug aus dem Leipziger Adressbuch von 1949:
Rudolf Feist, Rentner, Roßmarktstraße 30
Karl Heinrich, Schlosser, Roßmarktstraße 30
Albert Hempel, Betriebsschutzmann, Roßmarkt- straße 30
Anna Hoffmann, Roßmarktstraße 30
Dora Lischke, Roßmarktstraße 30
Meiselbach, Aug. Meiselbach Nachf. Präzisions-Werkzeug- u. Masch.-Fabrik, Roßmarktstraße 30
Martha Poley, Packer, Roßmarktstraße 30
Frieda Thieme, Roßmarktstraße 30
Walter Wiedemann, Rundfunkmechaniker, Roßmarktstraße 30

> 1952 stand das Grundstück "unter Schutz und vorläufiger Verwaltung der staatlichen Organe"
> Dezember 1959 Enteignung
> Januar 1960 "Eigentum des Volkes"
> Januar 1960: VEB (K) Werkzeugbau, Leipzig W 33, Roßmarktstraße 30, Verwalter: Otto Naue
> 1987 VEB Getriebewerke Leipzig, Betriebsteil VI Kluppenfertigung, 7033 Leipzig, Roßmarktstraße 30: "Übergeordnetes Organ" über dem VEB Getriebewerke Leipzig war die Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Getriebe und Kupplungen (später: VEB Kombinat Getriebe und Kupplungen in Magdeburg).
> Schließung
> Mitnutzung als Lagerfläche für die Fa. Folimat Leipzig (Der VEB Folimat war der Stammbetrieb des VEB Kombinat PAKUWA Papier und Kulturwaren, 7033 Leipzig, William-Zipperer-Straße 14, firmierte ab August 1990 als Folimat GmbH bzw. ab Sommer 1991 als Folimat & Berger GmbH) vom Nachbargrundstück William-Zipperer-Straße 14
> Brand, Zerstörung des Daches der Werkhalle
> 1997 Nutzung durch Folimat & Berger GmbH
> Verfall
> leerstehende Fabrikruine bis 1999, verwaltet vom Bundesvermögensamt

14. Juni 2003
Einweihungsfest mit ca. 200 Gästen für das familienfreundliche Wohnprojekt mit großer Spielwiese, Rodelberg, Lehmbackofen im Garten, "Ritterburg", "Baumhaus", Handschwengelpumpe und großem Sandkasten

Hausflohmärkte
waren hier in der Tordurchfahrt, im Hof und am Fußweg vor dem Haus zuletzt am Samstag 24. September 2016 und auch im Jahr 2017 am ersten Samstag im September, am 2.9.2017, von 10-16 Uhr
> Hausflohmarkt

2018
war eine Besichtigung des prachtvollen Gartens Roßmarktstraße 30 mit Halt unter der Kastanie, am Rodelberg, vorm Lehmbackofen im Garten, auf der großen Spielwiese vor der "Ritterburg" und dem "Baumhaus", am großen Sandkasten und an der Handschwengelpumpe am Samstagnachmittag, 6. April 2019, im Rahmen der öffentlichen Stadtführung "Lindenau - Vom Dorf zur Stadt rund um den alten Dorfteich" möglich.

Quellen/Literatur/Weblinks zur Geschichte dieses Hauses:
u.a.
- Hauptstaatsarchiv Dresden, Rep. 11384 Landesregierung Sachsen, Ministerium für Wirtschaft, Nr. 1831 (betr. 1946, Schriftwechsel des Aufgabengebietes Maschinenbau mit einzelnen Betrieben, u. a. Fa. Aug. Meiselbach Nachf.)
- Staatsarchiv Leipzig, Bestand 20843 VEB Getriebewerk Leipzig
- Staatsarchiv Leipzig, Bestand 20242 Kreis-Industrie- und Handelskammern Nordwest- sachsens, Nr. 1869 (Aug. Meiselbach Nachfahre, Werkzeug- und Maschinenfabrik, Leipzig, 1945-1954)
- Staatsarchiv Leipzig, Bestand 20186 Bezirks- steuereinnahme Leipzig, Nr. 40 (Veranlagung der Firma Aug. Meiselbach Nachf. GmbH, Werkzeugfabrik, Leipzig, enthält u. a.: Gesellschaftsvertrag.- Bilanzen)
- Staatsarchiv Leipzig, Bestand 21025 H. Neumeyer, Steuerprüfer in Leipzig, Nr. 42: Aufträge der Firma August Meiselbach Nachfolge, Leipzig
- Sächsisches Staatsarchiv, 21010 Bank für Landwirtschaft AG, Filiale Leipzig, Nr. 154 (Felix Herchner, Peres bei Kieritzsch, Gutsbesitzer)
- Amtliches Fernsprechbuch für den Reichspost- direktionsbezirk Leipzig, 1936
- Leipziger Industrie. Amtliches Firmen- und Bezugsquellen-Verzeichnis. Nach Unterlagen der Industrie- und Handelskammer Leipzig bearbeitet von Hans Rückert. Verkehrsamt der Stadt Leipzig 1946, 199 S.
- Fernsprechbuch Bezirk Leipzig, Ausgabe 1987
- Demontagen in der Sowjetischen Besatzungszone und in Berlin 1945 bis 1948: Sachthematisches Archivinventar (=Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs Band 61), Herausgeber: Klaus Neitmann, Jochen Laufer; Berliner Wissenschafts-Verlag, 2014, 754 Seiten, hier: S. 170
- Frank Uwe Schulz: Demontagen in Leipzig - "geeignet, den Lebensnerv der Stadt abzutöten"? In: Sowjetische Demontagen in Deutschland 1944 - 1949. Hintergründe, Ziele und Wirkungen. Taschenbuch, Duncker Humblot, November 2002, 550 Seiten, hier: S. 443
- Sammlung Lindenauer Stadtteilverein e. V.
- Ansicht eines "Original Meiselbach"-Gewindeschneiders aus dem VEB Werkzeugbau Leipzig W 33
- Zeitschrift "Der Mechaniker" No. 14, 1897, S. 217
- Adreß-Buch für Lindenau-Plagwitz und Neu-Schleußig 1885, 1887
- Adreß-Buch für Lindenau 1889
- Leipziger Adreßbuch, Bd. 1907, 1933, 1943, 1949, 1997
- Plan von Leipzig 1903. Bearbeitet von der Vermessungsabtheilung des Tiefbauamtes. Maßstab 1:10 000. Nachgetragen bis Ende Juli 1902
- Filmaufnahmen Leipzig Lindenau 1910 https://www.youtube.com/watch?v=-ynXFDGlmDA

Bildinhalt: Der
Der "handgeschnitzte Gartenzaun" erzählt die Geschichte der Wiederentdeckung des Grundstückes Roßmarktstraße 30 und die der vielen Helfer, die dieses familienfreundliche Wohnprojekt schufen.
 

jetzt


seit 14. Juni 2003 (Einweihungsfest mit ca. 200 Gästen) ein familienfreundliches Wohnprojekt mit großer Spielwiese, Rodelberg, Lehmbackofen im Garten, "Ritterburg", "Baumhaus", Handschwengel- pumpe und großem Sandkasten

und "schönster Gartenzaun von Lindenau"

ein Zeitungsartikel zum Einweihungsfest des familienfreundlichen Wohnprojekts Roßmarktstr. 30:
Thomas Gerlach: Das olympische Dorf, in: taz. die tageszeitung, 10.10.2003
http://www.taz.de/1/archiv/archiv-start/?ressort=sw&dig=2003%2F10%2F10%2Fa0106&cHash=e5fe4886cde64425d86c179d6c636e83/

Dieses Mietshaus in offener Bebauung (Klinkerfassade; bleiverglaste Treppenhausfenster) mit Tordurchfahrt sowie Pflasterung der Tordurchfahrt ist ein Kulturdenkmal, das in der Denkmalliste vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen mit Stand vom 20. Juni 2013 erfasst wurde. Die Objekt-ID des Kulturdenkmals lautet 09261799.

Koordinaten Roßmarktstraße 30:
51° 20′ 18.21″ N, 12° 19′ 52.24″ E
51.338392°, 12.331178°

www.openstreetmap.org

Hier erreichen Sie auch den
Lindenauer Stadtteilverein e.V.
Roßmarktstraße 30
04177 Leipzig-Lindenau
Tel.: 0341 480 72 07
Fax: 0341 480 12 44
lindenauerstadtteilverein@gmx.de
www.lindenauerstadtteilverein.de
mit den Arbeitsschwerpunkten
Familienfreundliches Lindenau
Heimatkunde, Stadtteilführungen
Planungs- und Verkehrsforen
www.georg-schwarz-strasse.de

2019

ist wieder eine Besichtigung des 3.000 m² großen Gartens Roßmarktstraße 30 mit Halt unter der Kastanie, am Rodelberg, vorm Lehmbackofen im Garten, auf der großen Spielwiese vor der "Ritterburg" und dem "Baumhaus", am großen Sandkasten und an der Handschwengelpumpe am Sonntagnachmittag 1.9.2019 um 14 Uhr im Rahmen der öffentlichen Stadtführung "Lindenau - Vom Dorf zur Stadt rund um den alten Dorfteich" möglich.


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